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Investorenbrief | August 2026

In dieser Ausgabe geht es um die Entwicklungen an den Kapitalmärkten im August, die Einordnung unserer Monetalis-Strategien und die Frage, welche Renditetreiber sich jenseits der großen US-Technologiewerte gezeigt haben.

Bei Fragen zu Ihrer persönlichen Situation oder zur Einordnung einzelner Aspekte stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

CIO Monthly Review

CIO Monthly Review | August 2026

Robuste Märkte, neue Renditetreiber

Kernaussage: Der August zeigte ein insgesamt konstruktives, aber zunehmend differenziertes Marktbild. Der KI-Investitionszyklus blieb ein wichtiger Treiber des US-Aktienmarktes, während sich zugleich neue Impulse außerhalb der großen US-Technologiewerte zeigten. Unternehmensanleihen profitierten von hoher Risikobereitschaft, Gold blieb stark. Für die Monetalis-Vermögensarchitektur bestätigte sich damit der Nutzen unterschiedlicher Regionen, Faktoren und Anlageklassen.

Aktien: Die Marktführung beginnt sich zu verschieben

USA | S&P 500 Core. Künstliche Intelligenz und Technologie blieben auch im August wesentliche Renditetreiber. Gleichzeitig zeigen die hohen Bewertungen und Gewinnerwartungen, wie anspruchsvoll das Umfeld geworden ist: Gute Geschäftszahlen reichen nicht immer für weitere Kursgewinne, wenn bereits sehr viel Wachstum eingepreist ist. Der S&P 500 bleibt damit ein starkes Fundament, die Konzentration auf große Technologieunternehmen aber ein Risiko, das wir durch die übrigen Aktienbausteine bewusst ergänzen.

Europa | Momentum. Europa zeigte im August eine wechselnde sektorale Führung. Technologie und Industrie trafen auf neue Impulse aus Energie, Finanzwerten und anderen zyklischen Bereichen. Gleichzeitig verbesserte sich das deutsche Konjunkturbild; revidierte Daten zeigten stärkeres Wachstum, unterstützt durch Fiskalimpulse, Exporte, Konsum und Investitionen. Für unseren Momentum-Baustein ist gerade diese Rotation relevant: Er kann veränderte Marktführerschaft aufnehmen, ohne dass wir den nächsten Gewinnersektor prognostizieren müssen.

Japan | exportorientierte Dividendenzahler. Der Yen blieb im August ein wesentlicher Einflussfaktor für japanische Unternehmen. Seine Schwäche unterstützt grundsätzlich die in Yen ausgewiesenen Auslandserträge exportorientierter Unternehmen, erhöht zugleich aber Import- und Energiekosten. Da unsere Japan-Position gegenüber dem Euro währungsgesichert ist, soll der unmittelbare Einfluss von EUR/JPY-Bewegungen auf die Wertentwicklung für unsere Anleger weitgehend reduziert werden. Im Vordergrund stehen damit die Entwicklung der Unternehmen und insbesondere unserer exportorientierten Dividendenzahler.

Emerging Markets | Value. Die Schwellenländer boten einen Gegenpol zum hoch bewerteten US-Wachstumssegment. Währungsentwicklungen spielten dabei eine wichtige Rolle; insbesondere der chinesische Yuan wertete deutlich auf, während die chinesische Notenbank versuchte, die Bewegung zu bremsen, um die Exportwirtschaft nicht zu belasten. Für EM Value bleibt damit die Kombination aus günstigeren Bewertungen und anderen wirtschaftlichen Renditetreibern interessant.

Global | Small Cap Value. Die Rotation jenseits der Mega Caps führte bislang nicht zu einem eindeutigen Small-Cap-Value-Regime. Höhere Finanzierungskosten belasten kleinere Unternehmen stärker als finanzstarke Großkonzerne. Gleichzeitig verbessert eine breitere Gewinnentwicklung die Voraussetzungen für kleinere und günstig bewertete Unternehmen. Im August blieb dieser Baustein damit eher Diversifikator als Marktführer.

Unternehmensanleihen: Credit bleibt gefragt

Unternehmensanleihen profitierten im August von einem grundsätzlich konstruktiven Risikoanlageumfeld. Enge Kreditaufschläge zeigen allerdings auch, dass Investoren für zusätzliches Kreditrisiko nicht mehr überall üppig entschädigt werden.

Für unsere Zielinvestments erhöht das die Bedeutung der Selektion. Flexible Credit-Strategien können Bonitäten, Laufzeiten und Marktsegmente aktiv steuern; Nordic High Yield ergänzt das Portfolio um höhere laufende Renditechancen, übernimmt dafür aber bewusst höhere Kredit- und Liquiditätsrisiken.

Gleichzeitig blieben die Bewegungen der Staatsanleiherenditen erheblich. Ende August sorgten fallende Ölpreise und die Diskussion um US-Anleiherückkäufe erneut für deutliche Bewegungen am Treasury-Markt. Das unterstreicht, warum wir laufende Erträge nicht ausschließlich von einer bestimmten Entwicklung der Staatsanleihezinsen abhängig machen wollen.

Gold: Monetäre und fiskalische Risiken bleiben relevant

Gold blieb im August ein wichtiger Gegenpol zu den klassischen Kapitalmarktanlagen. Neben geopolitischen Unsicherheiten bleiben hohe Staatsverschuldung, die Entwicklung langfristiger Zinsen und Zweifel an der Nachhaltigkeit staatlicher Finanzpolitik wichtige Einflussfaktoren.

Gerade die Diskussion um verstärkte Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen machte deutlich, wie sensibel Märkte inzwischen auf fiskalische und geldpolitische Eingriffe reagieren. Für Monetalis ist Gold deshalb keine kurzfristige Spekulation auf den nächsten Krisenmonat, sondern ein strategischer Vermögensbaustein außerhalb klassischer Kreditversprechen.

Währungen: Yen und Dollar im Fokus

Der Yen blieb im August unter Druck und beeinflusste damit insbesondere die Ertrags- und Kostenentwicklung exportorientierter japanischer Unternehmen. Der unmittelbare Wechselkurseffekt für unsere Anleger wird bei der Japan-Position durch die Währungssicherung gegenüber dem Euro weitgehend reduziert.

Anders beim US-Dollar: Er beeinflusst die in Euro gemessene Wertentwicklung unserer nicht währungsgesicherten US- und globalen Anlagen unmittelbar. Bei Gold wirken zudem Goldpreis und EUR/USD gemeinsam auf das Ergebnis eines Euro-Anlegers. Währungen waren damit im August ein relevanter Renditetreiber – allerdings mit sehr unterschiedlicher Wirkung innerhalb der Vermögensarchitektur.

Auswirkungen auf die Vermögensarchitektur

Die Entwicklungen bei Aktien, Faktoren, Credit, Gold und Währungen geben uns keinen Anlass für strategische Veränderungen. Wir beobachten insbesondere die hohe US-Technologiekonzentration, die Rotation in Europa, den Yen und die engen Credit Spreads weiter aufmerksam.

Das Investment Committee bleibt bei der bestehenden Positionierung.

Was bedeutet das für Sie?

Für Sie besteht derzeit kein Handlungsbedarf. Die Entwicklungen im August liegen innerhalb dessen, womit eine langfristige Vermögensstrategie umgehen können muss. Eine strukturelle Veränderung, die Anpassungen erforderlich macht, erkennen wir derzeit nicht.

Ihr Vermögen kann deshalb weiter das tun, wofür es strukturiert wurde: langfristig für Sie arbeiten.

Struktur entscheidet.

Strategieportfolios

Monetalis Global Factor

Die Monetalis Global Factor-Strategie ist eine evidenzbasierte, global diversifizierte Multi-Faktor-Strategie für den langfristigen Vermögensaufbau. Sie verbindet einen breit diversifizierten, markteffizienten Aktienkern mit gezielten Faktorallokationen, die wissenschaftlich dokumentierte Renditeprämien wie Momentum, Value und Small Cap systematisch erschließen.

Die Strategie folgt einem klaren, regelgebundenen Ansatz und verzichtet bewusst auf kurzfristiges Market-Timing, taktische Marktprognosen und die Konzentration auf einzelne Modethemen. In Anlehnung an die Prinzipien der Austrian Economics wird auf Staatsanleihen verzichtet; zur Stabilisierung werden Unternehmensanleihen eingesetzt. Ein strategischer Goldanteil von 10 Prozent dient als realer Wertspeicher und zur Diversifikation gegenüber Geld-, Kredit- und Währungsrisiken.

Monetalis Global Factor ist in unterschiedlichen Aktienquoten für die Risikoklassen 2, 3 und 4 konzipiert und ermöglicht damit eine abgestufte Ausrichtung von defensiv bis offensiv entsprechend dem individuellen Anlegerprofil.

Monetalis Global Factor | 30+ Defensiv

Wertentwicklung im August 2026: +1,70 %

Wertentwicklung seit Jahresbeginn 2026: +6,85 %

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Monetalis Global Factor | 50+ Ausgewogen

Wertentwicklung im August 2026: +1,78 %

Wertentwicklung seit Jahresbeginn 2026: +9,87 %

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Monetalis Global Factor | 70+ Dynamisch

Wertentwicklung im August 2026: +1,86 %

Wertentwicklung seit Jahresbeginn 2026: +12,93 %

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Monetalis Global Factor | 90+ Offensiv

Wertentwicklung im August 2026: +1,85 %

Wertentwicklung seit Jahresbeginn 2026: +15,87 %

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UCITS-Dachfonds

Monetalis Ruhestandsfonds

Die Anlagestrategie des Monetalis Ruhestandsfonds basiert auf den Grundprinzipien der Monetalis Global Factor-Strategie und überführt den evidenzbasierten Multi-Faktor-Ansatz in einen UCITS-Dachfonds. Die Aktienallokation verbindet einen breit diversifizierten, markteffizienten Kern mit gezielten Faktorallokationen in Momentum, Value und Small Cap.

In Anlehnung an die Prinzipien der Austrian Economics verzichtet der Fonds auf Staatsanleihen und setzt im festverzinslichen Segment auf Unternehmensanleihen. Gold und Goldminenaktien ergänzen die Vermögensstruktur als reale Vermögenswerte mit unterschiedlichen Risiko- und Ertragseigenschaften.

Die Fondsstruktur ermöglicht die gebündelte Steuerung und das Rebalancing der gesamten Anlagestrategie innerhalb eines einzigen Fonds. Umschichtungen innerhalb des Fonds führen dabei grundsätzlich nicht zu einer unmittelbaren Besteuerung von Veräußerungsgewinnen auf Ebene des Anlegers. Für Privatanleger in Deutschland kommt bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen aufgrund der dauerhaft angestrebten Aktienquote von mehr als 51 Prozent die steuerliche Teilfreistellung für Aktienfonds hinzu.

Der Monetalis Ruhestandsfonds ist der Risikoklasse 3 mit einer Ausrichtung an der Grenze zur Risikoklasse 4 zugeordnet und für langfristig orientierte Anleger mit entsprechend erhöhter Risikobereitschaft konzipiert.

Monetalis Ruhestandsfonds

Wertentwicklung im August 2026: +3,41 %

Wertentwicklung seit Jahresbeginn 2026: +8,49 %

Wertentwicklung der letzten 12 Monate kumulativ: +13,19 %

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Strategieportfolio

Monetalis High Conviction

Die Monetalis High Conviction-Strategie ist ein konzentriertes Aktienportfolio für Anleger mit sehr hoher Risikobereitschaft und langfristigem Anlagehorizont. Anders als die breit diversifizierten Monetalis Global Factor-Strategien verfolgt sie bewusst einen fokussierten Ansatz: Investiert wird ausschließlich in ausgewählte langfristige Investmentthemen, von deren struktureller Bedeutung wir in besonderem Maße überzeugt sind.

Im Mittelpunkt stehen Innovation und technologischer Fortschritt, dezentrales Wissen und kollektive Intelligenz, Energie und Ressourcen sowie Gold und die monetäre Ordnung. Die Investmentideen verbinden damit unternehmerischen Fortschritt und Kapitalmarktforschung mit Gedanken von Joseph Schumpeter, Friedrich A. von Hayek, Julian Simon und Ludwig von Mises.

High Conviction verzichtet bewusst auf defensive Portfoliobausteine: keine Anleihen, keine taktische Absicherung, keine Verwässerung der Investmentthesen. Die Strategie akzeptiert dafür erhebliche Kursschwankungen und auch ausgeprägte zwischenzeitliche Wertverluste. Konzentration ist hier kein unbeabsichtigtes Risiko, sondern eine bewusste Konstruktionsentscheidung.

Monetalis High Conviction ist der Risikoklasse 5 zugeordnet. Die Strategie ist ausschließlich für Anleger konzipiert, deren Risikotragfähigkeit, Risikobereitschaft und langfristiger Anlagehorizont eine derart offensive Aktienstrategie zulassen.

Breite Diversifikation ist das Fundament. High Conviction ist der Raum für Überzeugung.

Monetalis High Conviction

Wertentwicklung im August 2026: +12,09 %

Wertentwicklung seit Jahresbeginn 2026: +15,11 %

Wertentwicklung der letzten 12 Monate kumulativ: +38,69 %

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Vermögensarchitektur

Warum nicht jede Anlage dieselbe Aufgabe haben darf

Eine gute Vermögensarchitektur entsteht nicht dadurch, dass jede Anlage möglichst viel Rendite erzielen soll. Sie entsteht dadurch, dass unterschiedliche Vermögensbausteine unterschiedliche Aufgaben übernehmen – und sich gerade deshalb im Gesamtvermögen ergänzen.

Der August liefert dafür ein anschauliches Beispiel. US-Technologie blieb ein wichtiger Renditetreiber, in Europa wechselte die sektorale Führung, Unternehmensanleihen profitierten von hoher Risikobereitschaft, Gold behauptete seine Rolle als eigenständiger Vermögensbaustein und Währungen beeinflussten die Ergebnisse je nach Anlage sehr unterschiedlich. Wer daraus nur die Frage ableitet, welcher Baustein im vergangenen Monat am besten war, verfehlt den eigentlichen Sinn einer Vermögensarchitektur.

Die entscheidende Frage lautet nicht: Welche Anlage ist die beste? Sondern: Welche Aufgabe soll dieses Kapital erfüllen?

Liquidität kauft Zeit

Liquidität hat nicht die Aufgabe, langfristig die höchste Rendite zu erzielen. Ihre wichtigste Funktion ist Handlungsfähigkeit. Sie finanziert geplante Ausgaben, schafft Reserven für Unvorhergesehenes und verhindert, dass langfristig angelegte Vermögenswerte in einem ungünstigen Marktumfeld verkauft werden müssen.

Gerade in der Ruhestandsplanung besitzt diese Funktion einen hohen Wert. Wer seinen kurzfristigen Finanzbedarf aus einer ausreichend dimensionierten Liquiditätsreserve decken kann, muss bei fallenden Aktienkursen nicht reagieren. Liquidität ist deshalb kein „unproduktiver Rest“, sondern ein Baustein, der Zeit schafft – und Zeit ist an den Kapitalmärkten häufig eine der wichtigsten Voraussetzungen für langfristigen Anlageerfolg.

Aktien schaffen langfristiges Wachstum

Aktien erfüllen eine andere Aufgabe. Sie beteiligen Anleger an Unternehmen, Innovation, Produktivität und langfristigem wirtschaftlichem Wachstum. Dafür müssen sie schwanken dürfen. Wer von Aktien kurzfristige Stabilität erwartet, verlangt von ihnen etwas, wofür sie nicht konstruiert sind.

Innerhalb unserer Global-Factor-Strategie übernimmt der S&P 500 die Rolle des breiten US-Kerns. Europa Momentum, Emerging Markets Value, Japan und Global Small Cap Value ergänzen diesen Kern um andere Regionen, Bewertungsniveaus, Unternehmensgrößen und Renditefaktoren. Diese Bausteine müssen nicht gleichzeitig führen. Ihre Aufgabe besteht gerade darin, die Abhängigkeit des Gesamtportfolios von einer einzigen Marktgeschichte zu reduzieren.

Unternehmensanleihen liefern laufende Erträge und Stabilität

Unternehmensanleihen stehen zwischen Liquidität und Aktien. Sie sollen laufende Erträge liefern und zugleich deutlich weniger von Unternehmensgewinnen und Aktienbewertungen abhängig sein. Dafür übernehmen Anleger Kreditrisiko und – abhängig von der Laufzeit – Zinsrisiko.

Auch hier ist die Funktion wichtiger als der Vergleich mit Aktienrenditen. Eine hochwertige Credit-Strategie muss nicht den Aktienmarkt schlagen, um ihren Zweck zu erfüllen. Entscheidend ist, ob sie einen verlässlichen Beitrag zum laufenden Ertrag leistet, Schwankungen begrenzt und das Gesamtrisiko der Vermögensstruktur sinnvoll ergänzt.

Gold ist kein Ersatz für Aktien

Gold hat wiederum eine andere Aufgabe. Es erwirtschaftet keine Unternehmensgewinne, zahlt keine Zinsen und sollte deshalb nicht nach denselben Kriterien beurteilt werden wie Aktien oder Anleihen. Seine Funktion liegt in der Diversifikation gegenüber Geld-, Kredit-, Währungs- und Vertrauensrisiken.

Gerade deshalb ist es falsch, Gold nach einzelnen Monaten zu beurteilen. In Phasen steigender Realzinsen kann es unter Druck geraten; in anderen Phasen kann es genau dann Stabilität liefern, wenn klassische Finanzanlagen durch monetäre, fiskalische oder geopolitische Risiken belastet werden. Seine Stärke liegt nicht darin, immer zu steigen, sondern darin, sich nicht immer aus denselben Gründen wie andere Vermögenswerte zu bewegen.

High Conviction darf konzentriert sein – weil das Gesamtvermögen es nicht ist

Ein konzentrierter Baustein wie Monetalis High Conviction erfüllt nochmals eine andere Aufgabe. Er soll gezielt an langfristigen Themen partizipieren, von deren struktureller Bedeutung wir besonders überzeugt sind. Dafür akzeptiert er bewusst höhere Schwankungen und eine deutlich stärkere Konzentration.

Gerade weil das Gesamtvermögen breit strukturiert ist, kann innerhalb dieser Architektur ein begrenzter Raum für hohe Überzeugung bestehen. Konzentration ist dann kein Widerspruch zur Diversifikation, sondern eine bewusst definierte Funktion innerhalb eines diversifizierten Ganzen.

Die eigentliche Kunst liegt in der Kombination

Eine Vermögensarchitektur wird nicht dadurch besser, dass möglichst viele Bausteine gleichzeitig steigen. Im Gegenteil: Wenn alle Anlagen immer gleich reagieren, fehlt häufig genau die Diversifikation, die in schwierigen Marktphasen benötigt wird.

Entscheidend ist deshalb, dass jeder Baustein seine Aufgabe erfüllt: Liquidität schafft Handlungsfähigkeit, Aktien liefern langfristiges Wachstum, Unternehmensanleihen laufende Erträge und Stabilität, Gold erweitert die monetäre Diversifikation und High Conviction schafft Raum für bewusst konzentrierte Überzeugungen.

Was bedeutet das für Sie?

Bewerten Sie Ihre Vermögensbausteine nicht isoliert und nicht ausschließlich danach, welcher zuletzt die höchste Rendite erzielt hat. Ein Baustein kann in einem bestimmten Monat hinter anderen zurückbleiben und trotzdem genau das tun, wofür er vorgesehen ist.

Die entscheidende Frage lautet deshalb immer: Welche Aufgabe erfüllt diese Anlage innerhalb meines Gesamtvermögens – und würde mir etwas fehlen, wenn ich sie nur wegen einer kurzfristig schwächeren Wertentwicklung entfernen würde?

Nicht die Anlage mit der höchsten Rendite macht ein Vermögen robust.

Robust wird ein Vermögen durch die richtige Kombination aus Bausteinen, die in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

Eine gute Vermögensarchitektur ist deshalb dann erfolgreich, wenn nicht jeder Baustein dasselbe tut – sondern jeder genau das tut, wofür er vorgesehen ist.

Struktur entscheidet.

Buchempfehlung des Monats

Roland Baader | Kreide für den Wolf

Buchcover Roland Baader: Kreide für den Wolf – Die tödliche Illusion vom besiegten Sozialismus

Roland Baader

Kreide für den Wolf | Die tödliche Illusion vom besiegten Sozialismus

Roland Baaders Buch erschien ursprünglich 1991 – unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Ostblocks. Sein Ausgangspunkt ist ebenso einfach wie provokant: Der politische Zusammenbruch sozialistischer Staaten bedeute noch nicht, dass die zugrunde liegenden Ideen verschwunden seien. Baader interessiert deshalb weniger der historische Sozialismus als die Frage, welche Denkweisen Freiheit und Marktwirtschaft auch in demokratischen Gesellschaften schleichend aushöhlen können.

Die verhängnisvolle Anmaßung von Wissen

Den intellektuellen Kern des Buches bildet Baaders Auseinandersetzung mit dem, was Friedrich A. von Hayek die „verhängnisvolle Anmaßung“ nennt. Baader kritisiert die Vorstellung, eine komplexe Gesellschaft lasse sich nach einem rational entworfenen Gesamtplan gestalten. Märkte, Preise, Eigentumsordnungen, Recht, Sprache und viele gesellschaftliche Institutionen seien nicht das Werk eines einzelnen Planers. Sie seien über lange Zeiträume aus dem Handeln vieler Menschen entstanden.

Damit verschiebt sich die entscheidende Frage: Nicht, welcher gesellschaftliche Endzustand wünschenswert wäre, sondern welche Regeln es Millionen Menschen ermöglichen, ihre unterschiedlichen Ziele friedlich miteinander zu verfolgen. Für Baader liegt genau darin die Stärke einer freien Ordnung. Sie verlangt nicht, dass jemand das Wissen über das Ganze besitzt. Sie nutzt vielmehr dezentrales Wissen, Wettbewerb und Preise als Koordinationsmechanismen.

Eine freie Ordnung lebt nicht davon, dass jemand das Ergebnis kennt. Sie lebt davon, dass niemand das Ergebnis kennen muss.

Freiheit braucht mehr als Demokratie

Ein zweiter Schwerpunkt ist Baaders Freiheitsbegriff. Demokratie allein genügt ihm nicht. Entscheidend seien Rechtsstaatlichkeit, Privateigentum, Vertragsfreiheit, Wettbewerb und die Begrenzung politischer Macht. Mehrheitsentscheidungen könnten Freiheit sichern, sie könnten aber ebenso in individuelle Rechte eingreifen. Deshalb stellt Baader die klassische Frage des Liberalismus in den Mittelpunkt: nicht nur wer herrscht, sondern vor allem wie weit Herrschaft reichen darf.

Besonders deutlich wird dies in seiner Gegenüberstellung von spontaner Ordnung und Organisation. Ein Unternehmen kann auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet werden. Eine gesamte Gesellschaft dagegen besteht aus Millionen Menschen mit unterschiedlichen Plänen, Wertvorstellungen und Lebensentwürfen. Wird versucht, dieser Vielfalt ein einheitliches Ziel aufzuzwingen, wächst zwangsläufig der politische Steuerungsbedarf.

Der „neue“ Sozialismus trägt keinen roten Stern

Baaders zentrale These erklärt den Titel des Buches. Der Wolf aus dem Märchen verändert seine Stimme, nicht aber seine Natur. Übertragen auf die politische Ökonomie bedeutet das: Kollektivistische Ideen müssen nach dem Scheitern klassischer Planwirtschaft nicht verschwinden. Sie können in neuer Sprache zurückkehren – etwa über immer weitergehende staatliche Lenkung, Umverteilung und die Verlagerung persönlicher Verantwortung auf politische Institutionen.

Baader nennt diese Entwicklung polemisch den „neuen Sozialismus“. Im Unterschied zur klassischen Verstaatlichung der Produktionsmittel verlagere sich der Schwerpunkt auf die Verteilung des Sozialprodukts und den Ausbau des Wohlfahrts- und Interventionsstaates. Seine Sorge gilt dabei weniger einer einzelnen sozialpolitischen Maßnahme als einem kumulativen Prozess: Jede zusätzliche Aufgabe, die dem Staat übertragen wird, erweitert zugleich seine Entscheidungsmacht und verringert den Raum individueller Verantwortung.

Marktwirtschaft ist für Baader vor allem eine Ordnung der Machtbegrenzung

Bemerkenswert ist, dass Baader den Markt nicht in erster Linie als Maschine zur Gewinnmaximierung beschreibt. Wettbewerb besitzt für ihn eine politische Dimension. Unternehmer können Marktpositionen verlieren, Konsumenten können Anbieter wechseln und Kapital kann neu verteilt werden. Wirtschaftliche Macht bleibt dadurch grundsätzlich bestreitbar. In dieser Verbindung von Wettbewerb, Eigentum und Rechtsstaat sieht Baader einen wesentlichen Schutz individueller Freiheit.

Das Buch steht damit klar in der Tradition von Ludwig von Mises und Friedrich A. von Hayek. Zugleich ist es keine nüchterne akademische Abhandlung, sondern eine bewusst zugespitzte Streitschrift. Baaders Sprache ist scharf, gelegentlich drastisch und an vielen Stellen erkennbar von den politischen Auseinandersetzungen unmittelbar nach 1989 geprägt. Man muss nicht jede historische Bewertung oder jede Zuspitzung teilen, um den eigentlichen Gedanken des Buches ernst zu nehmen.

Der Gedanke, der bleibt

Freiheit ist für Baader kein Zustand, den eine Gesellschaft irgendwann endgültig erreicht. Sie ist eine Ordnung, deren Voraussetzungen immer wieder verstanden und verteidigt werden müssen: begrenzte Macht, allgemeine Regeln, Privateigentum, Wettbewerb, Eigenverantwortung und die Bereitschaft, Unsicherheit auszuhalten.

Was ich aus dem Buch mitnehme

Für die Kapitalanlage ist Baaders wichtigste Botschaft aus meiner Sicht nicht parteipolitisch, sondern erkenntnistheoretisch: Misstraue dem Anspruch, komplexe Systeme zuverlässig von oben steuern oder ihre Ergebnisse im Voraus kennen zu können. Märkte sind keine perfekten Maschinen. Aber sie verarbeiten dezentral verteiltes Wissen, das kein einzelner Akteur vollständig besitzen kann.

Das ist unmittelbar anschlussfähig an unsere Anlagephilosophie. Wir versuchen nicht, die nächste Konjunkturphase, den nächsten Gewinnersektor oder den nächsten politischen Eingriff präzise vorherzusagen. Stattdessen bauen wir Vermögensstrukturen, die mit unterschiedlichen Entwicklungen umgehen können. Diversifikation, klare Risikobudgets, Liquidität und die Beteiligung an produktivem Kapital sind auch eine Konsequenz intellektueller Bescheidenheit.

Baaders Warnung lässt sich auf einen Satz verdichten:

Je komplexer eine Ordnung ist, desto vorsichtiger sollten wir gegenüber denen sein, die behaupten, sie vollständig verstehen und gezielt steuern zu können.

Für mich gehört Kreide für den Wolf zu den zeitlosen Standardwerken freiheitlichen Denkens – und zu meinen persönlichen Lieblingsbüchern. Baader schreibt polemisch, zugespitzt und kompromisslos, doch hinter dieser Schärfe steht eine fundamentale Frage: Wie bewahren wir Freiheit in einer Welt, in der politische Lösungen immer wieder versprechen, Unsicherheit, Ungleichheit und persönliche Verantwortung durch Steuerung ersetzen zu können? Seine Antwort ist ebenso unbequem wie klar: Freiheit braucht begrenzte Macht, Eigentum, Wettbewerb, Eigenverantwortung und vor allem die Bereitschaft, die Grenzen unseres eigenen Wissens anzuerkennen. Wer dieses Buch wirklich verstanden hat, liest politische Versprechen, wirtschaftliche Eingriffe und gesellschaftliche Heilsangebote danach mit anderen Augen – und erkennt, dass Freiheit selten auf einen Schlag verloren geht, sondern meist dort zu verschwinden beginnt, wo Menschen bereit sind, Verantwortung gegen vermeintliche Sicherheit einzutauschen.

Struktur entscheidet.

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